Geschäftsführer und Sportdirektor Michael Koch im Interview – Final-Turnier, Szenarien und Herausforderungen

Geschäftsführer und Sportdirektor Michael Koch im Interview – Final-Turnier, Szenarien und Herausforderungen

Der Geschäftsführer und Sportdirektor der JobStairs GIESSEN 46ers Michael „Mike“ Koch teilt seine Eindrücke über das Final-Turnier 2020 und sieht wenig überraschend ALBA BERLN als verdienten Deutschen Meister. Welche Erkenntnisse die JobStairs GIESSEN 46ers sich aus dem Turnier ziehen konnten, welche Herausforderungen bisher gemeistert wurden und auf sie warten, wird ebenfalls in dem kurzweiligen Interview thematisiert.  


Mike, vielen Dank, dass du dir kurz die Zeit genommen hast, um uns Rede und Antwort zu stehen. Das easyCredit BBL Final-Turnier 2020 ist am vergangenen Sonntag zu Ende gegangen. Wie fandest du die Durchführung dieses hoffentlich einmaligen Final-Turniers?

Ich war überrascht, dass das so reibungslos funktioniert hat. Es gab zum Beispiel keinen positiven Fall während der Veranstaltung ­- Dank eines Hygienekonzeptes, was auf ganzer Linie überzeugt hat und tadellos griff. Selbst bei Spielern, denen diese Art von Turnier vorab konträr vorkam – auch wegen der „Fußfessel“ (lacht), damit man weiß, wo sie sich befinden – gab es keine Beanstandungen. Das funktionierende Konzept dient sogar noch als Vorbild für andere Verbände und Ligen, die sich danach erkundigen, wie das gelöst oder angegangen wurde. Selbst die Hallenlösung war sehr schlüssig mit einem internen Zirkel für Spieler, Trainer, etc. und einem kleinen Außenbereich für die Clubverantwortlichen, die somit auch ihre Mannschafft sehen konnten. Neben dem positiven Aspekt und dem 1A-Hygienekonzepts muss man auch mal die Berichterstattung loben, denn es ist nicht selbstverständlich, dass man als TV-Team 24-Stunden pro Tag mit in ein sogenanntes Quarantäne-Hotel zieht, um die neusten News immer parat zu haben. Das haben MagentaSport, wie auch die Verantwortlichen der easyCredit BBL ebenfalls gut gemeistert.

Berlin und Ludwigsburg bestritten das Finale – waren es auch die Teams, die für dich den besten Basketball gespielt haben?

Die beiden waren auf jeden Fall würdige Final-Teilnehmer. Berlin war von Anfang an einer der Top-Favoriten, weil sie es geschafft haben, nahezu alle Spieler aus ihrem Kader wieder zusammen zu holen. Alle Ausländer und das Groh des Teams waren an Bord. Sie waren eingespielt und wussten was sie machen, da gab es wenig Reibungspunkte innerhalb der ganzen Organisation. Der andere große Favorit FC Bayern Basketball hat natürlich durch den Wegfall von Greg Monroe und den verletzungsbedingten Ausfall von Nihad Djedovic seine zwei Topspieler verloren, das hat ihnen schon weh getan. Die Mannschaft, die es aufgrund ihrer Physis, ihres Engagements und dem Willen verdient hat, ins Finale zu kommen, waren die MHP RIESEN Ludwigsburg. Sie haben regelmäßig hohe Rückstände wieder aufgeholt, sei es gegen Ulm oder gegen München. Sie haben sich immer wieder reingekämpft, nie aufgegeben und aufgrund dieser Willensleistung gepaart mit der vorhandenen Teamchemie zurecht das Finale erreicht.

Marcos Knight von den MHP RIESEN konnte leider an den Finalspielen nicht teilnehmen, ist aber dennoch dank seiner grandiosen Leistungen zuvor zum MVP gewählt worden. Für dich eine richtige Wahl? Wer hat dich von den Protagonisten bei diesem gesamten Turnier noch überzeugt?

Vor dieser Entscheidung ziehe ich den Hut. Ich glaube, die Entscheidung bzw. die Wahl haben die zehn Mannschaftskapitäne der teilnehmenden Clubs durchgeführt. Der Standard war ja zumeist, einen Akteur aus den Reihen des Siegers zu bestimmen. Ich glaube, dass Marcos Knight es mehr als verdient hat. Die Zahlen, die er abgerufen hat, waren schon sehenswert: In vier Spielen hintereinander ein Double-Double, mit seinen 1,88m die Rebounds zu holen und immer wieder da zu sein, wenn die Ludwigsburger struggleten. Natürlich ist der Spielstil der RIESEN individuell geprägt, doch wenn jemand wie Knight individuell so stark auftritt und die Mannschaft führt, ist ganz klar, dass er MVP sein sollte. Andere Namen sind schwierig, weil Berlin zum Beispiel im Kollektiv so stark ist. Ein Luke Sikma oder ein Peyton Siva haben natürlich ein hervorragendes Turnier gespielt, aber dann kommen Spieler wie Martin Hermannsson oder Marcus Eriksson, die auch mal ein Spiel übernehmen und somit ist es schwierig, einen herauszupicken. Deshalb bin ich der Meinung, dass es die richtige Wahl war.

Das Turnier hat mit Berlin einen würdigen Meister gefunden. Im Nachgang betrachtet: Ärgert man sich, dass sich die JobStairs GIESSEN 46ers gegen eine Teilnahme entschieden haben, oder war es immer noch die richtige Entscheidung für den Club?

Alle 17 Bundesligaclubs, die vor dem Turnier gefragt wurden, hätten gerne mitgespielt. Dabei gab es unterschiedliche Beweggründe, wie Kompensationsansprüche, Sponsoreninteressen oder das Hauptaugenmerk des bisherigen Saisonverlaufs. All diese Faktoren spielen bei den Clubs, wie auch natürlich bei den JobStairs GIESSEN 46ers eine wichtige Rolle für eine solche Entscheidung. Für uns wäre eine Rückholaktion der Spieler ein finanzieller Balanceakt gewesen, der mit aller Wahrscheinlichkeit auf Kosten der 46ers gegangen wäre. Aus sportlicher Sicht hätten wir gerne an dem Turnier teilgenommen, wie alle anderen auch. Aus der wirtschaftlichen Perspektive, war es für unseren Traditionsclub dennoch die richtige Entscheidung, neben dem Aspekt, dass uns zu diesem Zeitpunkt die gesellschaftliche Komponente ebenfalls am Herzen lag und wir uns auch aus diesem Grund gegen eine Teilnahme entschieden haben.

Basierend auf dem Konzept des Final-Turniers – gibt es schon einen Austausch zwischen der Liga und den Clubs bzgl. der nächsten easyCredit Basketball Bundesliga-Saison 2020/21?

Wir treffen uns in der kommenden Woche zur nächsten BBL-Sitzung in Frankfurt. Dann werden wohl die Weichen für die nächste Saison gestellt. Ich glaube, dass die Liga erstmal das Turnier beenden wollte, um festzustellen, wie das Konzept mit den Hygienemaßnahmen greift. Nun wird sich wie gesagt getroffen und voraussichtlich festgelegt, wann die Spielzeit beginnen soll. Geplant ist ja immer Mitte September, aber ich persönlich hoffe, dass es um einen Monat nach hinten geschoben wird, sprich Start Mitte Oktober. Dadurch könnten Personalkosten noch etwas eingespart werden und die generelle Planungssicherheit noch deutlicher gewährleistet sein. Dementsprechend würde auch noch mehr Zeit bleiben, um Hygienekonzepte den vorhandenen Bedingungen optimal anzupassen und hoffentlich Zuschauer zu den Spielen zu zulassen. Das wäre für uns extrem wichtig.

Welche Maßnahmen werden bei den JobStairs GIESSEN 46ers jetzt schon getroffen? Und wie viele Szenarien wurden schon aufgrund der Corona-Pandemie und der in dieser Hinsicht ungewissen Zukunft aufgestellt?

Innerhalb der letzten Monate hat sich das des Öfteren geändert (lacht). Es hat begonnen mit einer Etataufstellung die Geisterspiele, sozusagen Spielen vor leeren Zuschauerrängen, in Erwägung zieht. Dies ist eigentlich unmöglich, da, wenn man in Betracht zieht, dass bei 17 Heimspielen keine Zuschauer da sind, unter dem Strich nicht viel stehen bleibt. Das dürfte wohl jedem klar sein. Es handelt sich schlichtweg um ein Minusgeschäft. Mittlerweile sind wir bei einem etwas positiveren Szenario angelangt, welches eine 40%-Hallenauslastung beinhaltet. Es wäre natürlich zum jetzigen Zeitpunkt wünschenswert, wenn wir damit starten könnten und es im Laufe der Saison dann weiter nach oben reglementiert wird. Generell muss unser Etat ausgeglichen bleiben, egal welche Bedingungen uns erwarten. Das heißt, man muss auf der Kostenseite einige Schrauben drehen, denn man kann ja kein Geld ausgeben, was man nicht hat! Das ist auf jeden Fall die aktuelle Planung, die aber nächste Woche schon wieder überholt sein kann, je nachdem wie auch die einzelnen Bundesländer in ihren Regionen reagieren und Maßnahmen lockern oder entsprechend halt nicht. Daran wird sich die Liga mit Sicherheit orientieren und im Laufe der Saison unter Absprache mit den Clubs Anpassungen vornehmen.

Eine Frage an den Sportdirektor Michael Koch darf natürlich nicht fehlen, gibt es denn schon Gespräche mit potentiellen 46ers-Spielern oder ist aufgrund der ungewissen Zeit dieses Thema noch auf Eis gelegt?

Dieses Thema ist aktuell noch auf Eis gelegt. Unsere erste und wichtigste Aufgabe war es, bis zum 30. Juni die Lizensierung und unser Geschäftsjahr abzuschließen. Dies ist nun geschehen und es gilt abzuwarten, was von Seiten der easyCredit BBL bzgl. der Ligalizensierung zurückgespiegelt wird. Im Anschluss wissen wir letztendlich wo wir stehen und grob um unseren finanziellen Background für notwendige Spielerverpflichtungen. Es bringt uns nichts, Spieler für ein gewisses Gehalt zu verpflichten, wo wir im Umkehrschluss vielleicht für eine bessere Qualität hätten mehr bezahlen können. Oder aber, wenn es uns dann im Nachhinein möglicherweise das Genick bricht, wenn wir zu viel gezahlt haben. Die Hoffnung meinerseits, die Saison im Oktober beginnen zu lassen, würde einen Puffer ergeben, den man gewinnbringend in die Planungen umsetzen könnte. Man muss aber ehrlich sein, die Spieler müssen wahrscheinlich mit finanziellen Einbußen rechnen. Doch der Spielermarkt ist so groß und reguliert sich dementsprechend auch, sodass wir uns keine Gedanken machen müssen, dass wir nur mit fünf Spielern auflaufen werden. Der Kader wird gefüllt und es wird immer Spieler auf dem Markt geben, die das Trikot ehrenvoll für unsere JobStairs GIESSEN 46ers tragen werden (schmunzelt).

Vielen Dank, Mike!

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