Nachwuchs-News – Interview mit Sherman Lockhart und Patrick Unger

Nachwuchs-News – Interview mit Sherman Lockhart und Patrick Unger

Die BBA GIESSEN 46ers erweitert ihre Vorhaben und wir sprechen mit den beiden neuen Nachwuchskoordinatoren Sherman Lockhart und Patrick Unger. Sie berichten über ihre bevorstehenden Aufgaben. Dabei geht es um die breite Basis bis hin zur Trainingssteuerung und altersgerechten Förderung. Vielseitige Angebote, die wie zum Beispiel der Youngster-Bereich oder School-Dunk bereits existieren, sollen erweitert werden, um den Basketball noch besser aufzustellen.


Sie sind bzw. waren beide zuletzt im Seniorenbasketball tätigt. Warum haben Sie sich aktiv für den Schritt in den Nachwuchsbereich und zum Programm der BBA GIESSEN 46ers entschieden?

Sherman Lockhart: „Zum einen ist es uns wichtig, hier in Mittelhessen den Nachwuchs durch die Erkenntnisse, die wir in den letzten Jahren gewonnen haben, zu fördern. Vor meiner Zeit bei den Pointers habe ich beim MTV Jugendarbeit geleistet und jetzt fällt es mir schwer zu akzeptieren, dass wir in jeder Altersklasse nur eine Oberligamannschaft haben. Ich möchte versuchen, die Akademie auf breitere Beine zu stellen und mehr Oberligamannschaften in den verschiedenen Altersklassen in der Region zu etablieren.“

Patrick Unger: „Bei mir sind die Beweggründe ähnlich. Ich habe trotz meiner Tätigkeit im Seniorenbereich mit den Jugendnationalmannschaften im weiblichen Bereich zusammengearbeitet. Zudem habe ich lange Zeit selbst hier in der Region aktiv Basketball gespielt. Meiner Meinung nach birgt die Region ein großes gegebenes Potential, welches es zu heben gilt. Da ich mich immer mehr auf Jugendliche und jüngere Spielerinnen und Spieler konzentriert habe, war dies nach Auslaufen des Vertrages in Marburg der logische Schritt für mich – nicht zuletzt um noch einmal etwas Neues auszuprobieren. Ich freue mich auf die spannende Aufgabe.“

Neben der Tätigkeit im Basketballsport eint Sie auch die langjährige Arbeit in der Region Mittelhessen. Wie kam dabei der Kontakt zur BBA GIESSEN 46ers zustande?

Patrick Unger: „Bei mir ist der Kontakt nach Gießen eigentlich nie abgebrochen – egal in welchem Bereich ich tätig war. Ich habe hier viele Freunde durch meine aktive Zeit und da spricht man selbstverständlich über die aktuelle Situation oder laufende Verträge. Zudem habe ich mir immer wieder gerne Spiele der JobStairs GIESSEN 46ers, der Depant GIESSEN 46ers Rackelos und eben der BBA GIESSEN 46ers und deren Vorgänger angesehen. Dann kam die Anfrage für ein persönliches Gespräch aus dem heraus dann die Idee gewachsen ist, diesen Weg gemeinsam zu gehen.“

Sherman Lockhart: „Bei mir war der Ablauf ähnlich. Ich bin ja seit längerem im Basketball in Gießen tätig – aufgrund der Tatsache, dass ein Spieler aus meiner Mannschaft bei den Pointers auch bei den Rackelos mitspielt, bin ich häufiger mit Rolf Scholz im Austausch – hier sind mir immer wieder einige Berührungspunkte aufgefallen. Des Weiteren spielt mein Sohn in der Jugend bei der BBA GIESSEN 46ers, so habe ich mich ohnehin immer wieder mit dem Programm auseinandergesetzt und bemerkt, welches Potential in dem Projekt schlummert. Zu Beginn des Austauschs mit den Verantwortlichen stand eine lose Idee, aus welcher heraus im Gespräch mit Frau Roth ein Konzept und schlussendlich eine Einigung aller Involvierten erzielt wurde.“

Wie konnten die Verantwortlichen Sie von diesem Programm überzeugen? Oder war das überhaupt von Nöten?

Patrick Unger: „Nein, nicht wirklich. Die Idee, die hinter dem Konzept steht, ist ja allgemein bekannt. Ich glaube an diese Motive und denke, dass es von Vorteil sein kann, dass wir unvoreingenommen in unsere Position hineinwachsen, um so die Arbeit in der BBA GIESSEN 46ers durch neue Impulse zu optimieren. Wir möchten es schaffen, durch unsere Ansätze das Beste aus den bestehenden Strukturen und dem aktuellen Trainerstab herauszuholen.“

Sherman Lockhart: „Ich bin mir der Verantwortung, die in meine Person gesetzt wird, durchaus bewusst. Wir sind zwei Personen, die ihr Know-how zielführend einbringen können. Durch meine Vergangenheit aber auch die Situation in der Gegenwart, schaffe ich es, die Perspektive des aktiven Spielers, des Trainers aber auch des Vaters eines jungen Spielers zu vereinen. Ich bin mir sicher, dass sich unsere Herangehensweisen gut ergänzen werden.“

Vom praktizierenden Trainer zum Nachwuchskoordinator. Inwieweit muss man sich nun umstellen oder existieren bereits genügend Berührungspunkte in diesem Zusammenhang?

Patrick Unger: „Ich habe eine ähnliche Position bereits in Marburg begleitet. Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass man über die verschiedenen Trainerebenen im Sport niemals komplett die Koordinatorenstelle abgibt. Gleichbedeutend heißt das für mich, dass man die Trainerperspektive und die Arbeit in der Halle als Koordinator nicht außer Acht lassen darf. Wir werden mit den Sportlern individuell arbeiten. Zudem werden wir das Coaching einer Mannschaft übernehmen. Wichtig ist für uns, dass wir die anstehenden Entscheidungen gemeinsam mit den Coaches treffen. Wir finden hier auf den Trainerpositionen großes Potential vor. Gemeinsam sollen die jeweiligen Stärken gebündelt werden. Wie die genauen Abläufe und Zuständigkeitsbereiche im Detail aussehen werden, wird sich zeigen. Ich bin mir sicher, dass ein fließender Übergang stattfinden wird – ja nach Bedarf werden sich unsere Fokussierungen auf den koordinativen oder den sportlichen Teil verschieben.“

Sherman Lockhart: „Der koordinative Part ist mir durch meine berufliche Tätigkeit als Abteilungsleiter nicht fremd. Auch die sportliche Perspektive ist mir durchaus bekannt. Durch weitere Gespräche mit allen involvierten Trainern müssen wir uns selbstverständlich erstmal einen detaillierten Überblick verschaffen. Unser Ziel ist es, die Kompetenzen zu bündeln, um dann das bestmögliche Ergebnis für die Akademie und die Region zu erzielen.“

Herr Lockhart sie haben bereits in diesem Monat die Arbeit aufgenommen und im Sommer kommt Herr Unger hinzu. Wurde schon über die Rollenverteilung in diesem Programm und ihrem Team gesprochen? Sei es der administrative Bereich, die Trainingssteuerung oder die Schnittstelle zu den Profi-Teams der Depant GIESSEN 46ers Rackelos oder JobStairs GIESSEN 46ers.

Sherman Lockhart: „Vorerst muss ich mir erstmal einen Überblick verschaffen. Dazu müssen weitere Gespräche mit den Trainern geführt werden, um beidseitige Ansätze und Vorstellungen aufeinander abzustimmen. Im Anschluss können Fragestellungen wie ‚welche Mannschaften stellen wir?‘ oder ‚welcher Trainer ist für welche Mannschaft zuständig?‘ angegangen werden. Die Klärung dieser Fragen gehören zu meinen ersten Aufgaben.“

Haben sie sich schon untereinander abgestimmt und eine Rollenverteilung definiert?

Patrick Unger: „Nein, bisher noch nicht. Wir haben uns vorgenommen, zunächst die ersten Gespräche mit den Trainern abzuwarten, damit wir die wichtigsten Herausforderungen herausarbeiten können. Im Anschluss gliedern wir die Aufgaben in die verschiedenen Kompetenzbereiche und verteilen die Projekte gemäß den persönlichen Stärken. Es ist wichtig zu betonen, dass wir den Ansatz als einen dynamischen Prozess verstehen. Es ist für uns nicht festgelegt, dass die Rollenverteilung für die nächsten Jahre fix ist – wir werden uns weiter intensiv austauschen, gegenseitig unterstützen und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen. Selbstverständlich braucht jeder seinen Fokus, was aber nicht bedeutet, dass wir individuell getrennt voneinander arbeiten.“

Die Neuausrichtung der BBA GIESSEN 46ers ist somit in vollem Gange. Dabei wird das Programm eigenständiger, um sich intensiver der Jugend zu widmen. Doch die 46ers spielen in diesem Vorhaben eine wichtige Rolle. Für was soll die BBA GIESSEN 46ers  in Zukunft stehen? Und wie drückt sich diese engere Zusammenarbeit mit den 46ers aus?

Patrick Unger: „Eine gute Frage. Die JobStairs GIESSEN 46ers sind natürlich das ultimative Aushängeschild für das Projekt. Es sollte immer das Bestreben des Clubs, aber auch der Athleten der BBA GIESSEN 46ers sein, den Weg bis zur Erstliga-Mannschaft als Ziel zu haben. Wir möchte2n, dass sich die Jugendspieler an der leidenschaftlich-intensiven Spielweise der 46ers orientieren. Die BBA GIESSEN 46ers soll in erster Linie für eine gute Jugendausbildung stehen. Dafür brauchen wir eine eigene Identität– genau das ist es, was wir als erstes mit den Trainern und Jugendlichen angehen werden. Diese Identität kann nur in Zusammenspiel mit den Depant GIESSEN 46ers Rackelos und den JobStairs GIESSEN 46ers entstehen. Wir hoffen auf einen regen Austausch mit den jeweiligen Coaches und Verantwortlichen. Im Laufe des Jahres werden sich dann die ersten Entwicklungen – im Verhalten der handelnden Personen aber auch auf dem Feld – bemerkbar machen. Ich möchte zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Identität vorgeben – oder anders gesagt: ’das ist ab sofort die Identität, die die 46ers vorgeben‘. Auch diese Entwicklung ist ein dynamischer Prozess.“

Sherman Lockhart: „Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.“

Das Programm der BBA GIESSEN 46ers umfasst aktuell fünf Teams plus den Angeboten zur Schulliga, Camps, Schul-AGs, sowie School-Dunk und den Youngster-Bereich an Spieltagen der Erstliga-Mannschaft. Können Sie uns schon einen Einblick in Ihrer strategischen Ausrichtung geben? Bzw. welche Ziele haben Sie mit diesem Nachwuchsprogramm in näherer Zukunft?

Sherman Lockhart: „Wir wollen uns im unteren Bereich breiter aufstellen. Hier blicke ich unter anderem in die Altersklasse der U10 und weitere Klassen – auch was die Suche nach Kooperationspartnern angeht. Hier müssen wir uns noch tiefere Gedanken um die weitere Ausarbeitung machen. An der Stelle kann man den direkten Bezug zur Identität ziehen – auch die Frage über die sportliche Ausrichtung in den verschiedenen Altersklassen wird gemeinsam mit den Trainern erarbeitet. Wir wollen in der Zukunft mehr Jugendliche haben, die wir an den Profibereich heranführen können.“

Patrick Unger: „Genau – wir möchten die Breite fördern. Dies ist nicht nur für die BBA GIESSEN 46ers sondern auch die Kooperationsvereine interessant. Gemäß dem Sprichwort möchten wir ‚durch die Masse eine Spitze formen‘. Dies passt zur Struktur der Region. Durch den breiteren Unterbau können wir den Jugendlichen mehr ‚Competition‘ bieten. Das soll uns dabei helfen, mehr Athleten zu formen, die oben herauskommen können.“

Zudem soll ein neues Trainingskonzept greifen, bei dem die aktuellen Trainer alle mit inbegriffen sind. Wie soll die Unterstützung ihrerseits erfolgen, damit sich die Coaches noch effektiver Individualtraining, erweiterte Trainingsmethoden und dergleichen wenden können?

Sherman Lockhart: „In den Gesprächen, die wir bis jetzt mit einigen Trainern führen konnten, hat sich herausgestellt, dass bei ihnen viele administrative Aufgaben anfallen, die wir den Coaches abnehmen können. Auf der sportlichen Seite liegt unser Fokus im Athletik-Bereich. Hier möchten wir sowohl die Trainer als auch die Athleten individuell oder in Kleingruppen unterstützen. Generell möchten wir den organisatorischen Part weitestgehend übernehmen und so den Trainern ermöglichen, dass sie sich komplett auf den Basketball konzentrieren können. Dies ist meiner Meinung nach, der richtige Weg.“

Patrick Unger: „Ich sehe uns verstärkt im Bereich des ‚Coaches Coaching‘. Wir möchten den Trainern und Sportlern die Möglichkeit bieten, vermehrt Fortbildungen zu besuchen. Nicht zuletzt durch unser in den letzten Jahren aufgebautes berufliches Netzwerk werden wir versuchen, diese Chance zu offerieren. Zudem steht der Besuch des Bundesjugendlagers oder des Albert-Schweitzer-Turniers im Raum, um sich mit den aktuellen Geschehnissen in der Welt des Basketballs auseinanderzusetzen und dem generellen Niveau zu orientieren. Wir möchten also nicht nur administrativ, sondern auch sportlich unterstützend tätig sein.“

Der Internatsgedanke spielt dabei bestimmt auch eine Rolle. Wie können die mittel- und langfristigen Vorhaben dabei aussehen?

Patrick Unger: „Diese Idee ist in den vorangegangenen Gesprächen auch schon angeklungen. Wie die Struktur der Internate sein könnte, also ob es sich dabei um Voll- und/oder Teilzeit-Internate handeln soll, ist noch zu diskutieren. Auch die Suche nach Partnern ist dabei zu berücksichtigen. Wir haben schon einige Schulen, mit denen eine intensive Kooperation im Gange ist. Die weiteren Entwicklungen bleiben interessant. Dies ist aber weiterhin ein großes Ziel. Meiner Meinung nach ist ein Internat ein Must-Have für einen Basketballstandort wie Gießen.“

Sherman Lockhart: „Es ist natürlich keine einfache Geschichte. Hier müssen alle Partner mit ins Boot geholt werden. Ich denke hier an den HBV und anstehende Gespräche mit dem DBB, Sponsoren oder den Schulen. Es hängt viel miteinander zusammen. Mittel- oder langfristig ist der Aufbau eines Internats aber ein klares Ziel. Andere hessische Standorte haben bereits ein Sportinternat – dies sollte auch für Gießen ein Ziel sein.“

Eine abschließende Frage. Inwieweit helfen ihre Expertise als ehemalige aktive Basketballer und dem Wissen, wie die regionale Basketballwelt hier aufgestellt ist?

Patrick Unger: „Sherman hat einen ganz anderen Team-Hintergrund als ich. Ich bin ‚Licher/VfBler‘. Sherman ist MTVler, VfBler und hat Verbindungen zum TV Wetzlar. Wir haben eigentlich zu jedem Verein eine Verbindung und kennen die Ansprechpartner. Uns ist es wichtig, alle Verantwortlichen der Vereine zu integrieren und eine Kultur des ‚Geben und Nehmens‘ zu etablieren. Genau das haben wir aus unserer Zeit als Aktive mitgenommen. Wir wissen was alles zerstört werden kann. Ebengleich wissen wir aber auch, was bei konstruktiver Zusammenarbeit entstehen kann. Sherman hat daran noch bessere Erinnerungen als ich, weil ich meine Jugendzeit in Berlin verbracht habe. Er kommt aus der Zeit, als unter Kay Blümel (Anmerk. d. Red.: ehemaliger Jugend-DBB-Trainer) noch regionales Training stattgefunden hat. Ich denke hier an Stützpunkttraining, bei dem mehrere Vereine integriert waren. Es haben alle ‚besseren‘ Spieler miteinander trainiert, die sich heute noch kennen und den Kontakt pflegen. Dass muss auch heute wieder unser Weg sein. Das war erfolgreich und hat viele gute Spieler hervorgebracht – was gar nicht heißen soll, dass wir aktuell keine erfolgreichen Nachwuchsspieler hätten. Mit Bjarne Kraushaar, Alen Pjanic, Dominic Lockhart oder Robin Amaize sind ebenfalls einige hervorgegangen. Trotzdem denke ich, dass unser Standort noch mehr zu bieten hat und die Prozesse müssen daher angegangen werden.“

Sherman Lockhart: „Wie bereits angesprochen haben wir schon das Know-How in der BBA GIESSEN 46ers. Wir möchten in die Vereine gehen und die Trainer unterstützen. So sollen sich die Vereine und die BBA GIESSEN 46ers gleichermaßen weiterentwickeln. Wir möchten uns gemeinsam mit allen Verantwortlichen breiter aufstellen.“

Vielen Dank, Sherman und Patrick!

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