Quarantäne-Interview mit Cheftrainer Ingo Freyer – Regeln verantwortungsvoll befolgen

Foto: Christian Becker

Quarantäne-Interview mit Cheftrainer Ingo Freyer – Regeln verantwortungsvoll befolgen

Die JobStairs GIESSEN 46ers befinden sich seit vergangenem Mittwoch nach einem positiven COVID-19-Test in häuslicher Quarantäne. Somit wurde der Auftakt in die 53. easyCredit BBL-Saison verpasst und auch das nächste Auswärtsspiel am kommenden Sonntag bei den Hamburg Towers steht in der Schwebe. Wie Cheftrainer Ingo Freyer mit der aktuellen Lage umgeht und wie er gemeinsam mit seinem Trainerstab diesen Einschränkungen entgegenwirkt, erläutert der Übungsleiter in einem kurzweiligen Interview. 


Du befindest dich wie dein gesamtes Team – außer Brandon Thomas und Tim Uhlemann – aktuell in häuslicher Quarantäne. Wie verbringst du deine Zeit? Und wie bereitest du dein Team auf ein mögliches kommendes Spiel gegen die Hamburg Towers aus der Isolation vor? Oder rückt gar Ulm in deinen Fokus?

Man versucht alle Informationen aufzusaugen, die man über die easyCredit BBL bekommen kann. Teilweise natürlich auch über die ProA und ProB. Gerade jetzt, wo die erste Liga am Wochenende wieder gestartet ist, ist das natürlich sehr spannend. Da ganze sechs Mannschaften aussetzen mussten, schaut man logischerweise erstmal auf die anderen zwölf Teams, die schon gespielt haben. Also man schaut jedes Spiel und liest sich alles durch. Dazu kommen noch die EuroLeague-Begegnungen mit ALBA BERLIN und dem FC Bayern München – also Basketball pur. Darüber versucht man sich auch auf das nächste Spiel vorzubereiten. Wir betrachten dabei ganz genau, was Ulm macht, weil ich denke, dass unser nächster Gegner ratiopharm ulm lauten wird.

Welche Vorgaben hat dein Trainerstab den Spielern für die unfreiwillige Parkettpause mitgegeben?

Die wichtigste Vorgabe ist vor allem, sich an die Regeln zu halten, die uns auferlegt wurden. Also nicht das Haus verlassen und in Quarantäne zu bleiben. Das Zweite ist, dass sie so gut es geht in ihren Wohnungen fit bleiben können. Man hat natürlich beschränkte Möglichkeiten, da man ja beispielsweise keinen Langstreckenlauf machen kann. Aber alles andere kann man zuhause machen, d.h. sich weiter kräftigen, so gut wie es geht. Das haben wir allen Spielern entsprechend auferlegt. Zudem sollen sie aufpassen, wie sie sich ernähren und zu guter Letzt, dass sie sich alle Informationen von uns oder auch eigene aneignen, um im Thema zu bleiben. Zusammengefasst gilt es die zwei primären Dinge zu befolgen: Zum einen die klaren Vorgaben des Gesundheitsamts und zum anderen den Fitnessgrad den Umständen entsprechend hochzuhalten, was außerhalb des Teamtrainings machbar ist.

Inwieweit würdest du nicht nur die physische Belastung, sondern insbesondere die psychische Belastung bei den Spielern in dieser Situation beurteilen. Habt ihr irgendwelche Maßnahmen getroffen, um die Belastungsgrenze in Maßen zu halten? 

Das ist schon eine mentale Belastung. Weil du natürlich einen Spannungsbogen über die gesamte Vorbereitung aufgebaut hast, um mental für das erste Spiel top drauf zu sein. Dieser Prozess wird natürlich durch die Quarantänemaßnahme unterbrochen. Das ist nicht gut. Deswegen müssen wir da neue Ansätze finden, weil in so einer Situation, dass jeder Spieler jetzt plötzlich alleine ist, waren wir auch alle noch nicht. Da ist jetzt jeder erstmal auf sich alleine gestellt und das ist nicht so einfach. Unsere Maßnahmen sehen so aus, dass wir sehr viel Kontakt suchen. Ich als Trainer mit den Spielern. Ob das jetzt Telefonate oder Gruppentreffen über digitale Kanäle sind. Da versuchen wir schon tagtäglich die Jungs abzuholen und uns miteinander auszutauschen.

Nun konntet ihr beim Auftakt der easyCredit BBL-Saison 2020/21 nicht mitwirken, aber das gab einem im Umkehrschluss Zeit, Spiele zu verfolgen. Wie haben dir die Partien des ersten Spieltags gefallen und wer hat dich überzeugt?

Natürlich sind die Spiele fast alle so ausgefallen, wie man das nach der letzten Saison erwartet hat bzw. wie man auch die einzelnen Mannschaften einschätzt. D.h. die Favoriten wie Ulm, Berlin, Oldenburg, Ludwigsburg und München haben ihre Spiele souverän gestaltet und am Ende auch gewonnen. Hamburg gegen Bamberg war da schon sehr viel enger. Hamburg hat durch ein hervorragendes letztes Viertel ihren ersten Heimspielsieg in der Liga geholt. Auch da sieht man, was für ein Potential in dem Standort steckt, denn Bamberg ist ja schon ein Topteam der Liga. Dass die Towers dann das erste Spiel gewinnen, zeigt das Hamburg auf einem guten Weg ist und wahrscheinlich eine ganz andere Saison spielen wird, als noch im letzten Jahr. Mit der Großstadt Hamburg im Rücken hat man noch einmal ganz andere Möglichkeiten, und dass kann man vielleicht schon in dieser Saison ausspielen. Dass finde ich persönlich natürlich schön zu sehen, dass man nun eine weitere Mannschaft hat, die auf der Basketballlandkarte existiert. Gerade so hoch im Norden! (lacht)

Eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit bei einer vorherigen Quarantäne konnte man schon bei anderen Teams deutlich feststellen. Wie versucht ihr diesen Auswirkungen entgegenzuwirken?

Ja, das ist natürlich der Horror eines jeden Teams. Gerade wir wollen uns von Woche zu Woche verbessern und am Ende bestmöglich da sein. Man hat an einzelnen Spielern gesehen, dass sie auf einem guten Weg waren, der jetzt natürlich durch die 14-Tage-Quarantäne gestört wird. Jetzt kann man nicht das Pensum beibehalten, wie man ganz normal trainiert, das ist ganz klar. Es ist schwierig, die basketballerische Kondition, die man auf dem Feld entwickelt hat, aufrechtzuhalten. Die fehlt dann natürlich. Nach 14 Tagen braucht man dann auch erstmal wieder eine Zeit, um alles wieder aufzuholen, um auf den Stand zukommen, wo man vorher war. Wir versuchen das Bestmögliche. Wir treffen uns mehrmals am Tag digital, um bestimmte Muskelgruppen zu beanspruchen, ob das jetzt morgens Blackroll-Hour ist oder abends Körperstabilisierungs- und Kräftigungsübungen. Mit Eigengewicht, Bändern und Hanteln werden diese Übungen durchgeführt. Das ist alles mit unseren Physios und Athletiktrainern abgestimmt, die da bisher einen super Job machen. Ich hoffe, dass wir somit Verletzungen vorbeugen können. Man kann ja nicht von null auf hundert direkt gehen, sondern man muss das langsam steigern. Da sind diese Übungen im Vorfeld auch sehr gut. Von daher tun wir alles, was an Möglichkeiten steht und probieren uns aufgrund der besonderen Situation natürlich auch aus.

Eine abschließende Frage: Die 14-tägige Quarantäne ist zunächst verordnet, dennoch versuchen die Clubverantwortlichen alles, um die Mannschaft bei negativen Testauswertungen vorzeitig aus der Isolation zu befreien oder wenigstens bessere Trainingsmöglichkeiten durch eine Teilisolation zu bieten. Hältst du es für unabdingbar für den Auftakt, dass dein Team Lockerungen aufgrund von negativen Tests erfährt?

Für mich ist es das Wichtigste, dass wir so schnell wie möglich wieder aus der Quarantäne rauskommen können. Damit wir uns auf das Spiel vorbereiten können, in welcher Länge auch immer. Zu dem Rest kann ich leider nichts sagen, weil ich mich da auch nicht einmischen möchte und es sich um Dinge handelt, die ich überhaupt nicht beeinflussen kann, die man auch nicht immer nachvollziehen kann. Letztendlich ist wie gesagt für das Team und ihren Fitnesszustand wichtig, aus der Isolation rauszukommen, auch wenn es zunächst nur eine Teilisolation wäre. Je schneller man da raus ist, also je schneller man als Team wieder täglich arbeiten kann, desto besser!

Vielen Dank, Ingo!

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