Trainingsstart bei den Depant GIESSEN 46ers Rackelos – 3 Fragen an Headcoach Rolf Scholz

Foto: Sven Kuczera

Trainingsstart bei den Depant GIESSEN 46ers Rackelos – 3 Fragen an Headcoach Rolf Scholz

Die Depant GIESSEN 46ers Rackelos verabschiedeten sich mit einem sechsten Tabellenplatz der BARMER 2. Basketball Bundesliga ProB Gruppe Süd aus der Saison 2019/20. Mitte März hat die Liga die sofortige Beendigung der Spielzeit entschieden und seit dem ruhte der Ball auch für unsere Rackelos. Dank neuer Auflagen und der sorgfältigen Erarbeitung eines Hygienekonzeptes darf der Trainingsbetrieb nun wieder aufgenommen werden. Wie Headcoach Rolf Scholz diese besondere Situation erlebt und wie ein Training aktuell aussieht, verrät er in einem kurzen Interview.

Mitte März wurde die Saison vorzeitig beendet und die Rackelos standen vor einer langen Pause. Eine Pause, in der man nicht einmal zu zweit auf dem Feld zocken durfte. Die Spieler haben sich individuell fit gehalten – so gut es eben ging. Wie sah die basketballfreie Zeit für dich als Trainer aus? Konnte man überhaupt irgendetwas planen für die kommende Saison?

Der Zeitpunkt war natürlich sehr bitter, wenn auch alternativlos. So kurz vor dem Saison-Highlight: den Playoffs. Dann kam dazu, dass wir uns als Team nie richtig voneinander verabschieden konnten. Alles in allem fühlt sich die zurückliegende Spielzeit damit etwas unvollständig an. Die Zeit danach hat selbstverständlich andere Dinge in den Mittelpunkt gerückt und vieles relativiert. Ich denke zu Beginn der Pandemie war es für niemanden in der Gesellschaft einfach, mit der Situation umzugehen. Viel Ungewissheit, wenig Vorhersehbares. Das ist im Sport nichts anderes. Wir sind es gewohnt, auf Ziele hin zu trainieren, uns vorzubereiten, einen Plan zu verfolgen, als Spieler wie als Trainer. Mit ein wenig Abstand habe ich versucht die positiven Sachen aus der neuen Situation zu nutzen. Man hat viel Zeit für andere Dinge. In Bezug auf Basketball habe ich in der spielfreien Zeit mehr Fortbildungen besucht. Online wurden viele Coach-Clinics angeboten oder Webinare abgehalten. Das war für mich eine absolute Bereicherung. Selbstverständlich gibt eine solche Situation auch die Möglichkeit, die eigenen Ansätze oder Abläufe zu hinterfragen oder weiter zu entwickeln. In puncto Planungen und Scouting für die kommende Saison war es selbstverständlich lange Zeit relativ ruhig. Dennoch versucht man auch dort Anschluss zu halten, Kontakte aufzubauen oder zu intensivieren und sich für unterschiedliche Szenarien vorzubereiten.

Mittlerweile gaben einige BBL-Standorte bekannt, dass sie ihr Farmteam in der kommenden Saison nicht halten können. Was erwartest du unter diesen Umständen von der kommenden Saison?

Die aktuelle Situation ist natürlich für den Profisport, wie für die gesamte Wirtschaft, eine riesige Herausforderung. Es ist natürlich schade, wenn einzelne Vereine oder Clubs aufgrund der Situation sich nicht in der Lage sehen, weiter zu machen. Aus meiner Sicht ist das im Hinblick auf ein Farmteam eine Grundsatzfrage: Was will ich als Club darstellen, für was will ich stehen?! Des Weiteren denke ich, dass die ProB-Mannschaft in Gießen sowohl für den Spiel- und Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft, wie auch für das Jugendprogramm existenziell ist. Von daher bin ich sehr froh, dass die Verantwortlichen der 46ers uns gegenüber sehr früh signalisiert haben, an der ProB festhalten zu wollen. Das ist mutig und wie man ligaweit sieht, keine Selbstverständlichkeit. Auch das klare und frühe Bekenntnis unseres Namenssponsors Depant, finde ich in der aktuellen Zeit bemerkenswert und bin sehr dankbar für die Unterstützung. Wie sich die Situation in der Liga darstellt muss man abwarten. Aber auch hier sehe ich Chancen. Beispielsweise werden durch den Rückzug einiger ProB-Programme die Zweitliga-Standorte mit BBL Anbindung bei jungen Spielern weiter in den Fokus rücken. Dazu kommt, dass wir in der Region eine breite Basis an talentierten Spielern mit viel Potential haben. Hier wurde in der Vergangenheit ein sehr guter Job in der Jugendarbeit gemacht, von der die Region jetzt profitieren kann. Schlussendlich muss aber auch klar sein, dass die ProB, wie in den zurückliegenden Spielzeiten auch, eine professionelle Liga mit einem entsprechenden Leistungsniveau sein wird und keine Spielwiese. Auch hiermit gilt es verantwortungsvoll umzugehen, um niemanden zu verbrennen.

Jetzt geht das Training bei euch endlich wieder los! Erzähl mal, wie oft trainiert ihr und wie sieht so ein Training mit diesen besonderen Maßnahmen aus?

Zunächst ist es schön, wieder regelmäßig mit den Jungs in der Halle zu stehen. Selbstverständlich ist das Training aufgrund des bestehenden Hygienekonzeptes noch leicht modifiziert. Wir hatten in der Corona-bedingten Pause viel Zeit, neue Übungen zu erarbeiten oder aufzunehmen. Damit nerven wir jetzt die Jungs (lacht). Wir merken den Spielern an, dass sie sich freuen, dass es wieder los geht. Inhaltlich arbeiten wir sehr intensiv an den individuellen Fähigkeiten und der Athletik. Das lässt sich relativ gut mit dem Hygienekonzept vereinbaren. Hierzu treffen wir uns in der Regel zwei bis drei mal wöchentlich in der Gruppe. Die übrigen Einheiten werden einzeln oder in zweier Gruppen durchgeführt.

Dann wünschen wir eine gute und gesunde Vorbereitungszeit und bedanken uns für deine Antworten!

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